Willkommen in der Ugly Men’s Lounge!

Unsere Jukebox ist gespickt mit Preziosen der Musikgeschichte bis 1962: Rock & Roll, Rhythm & Blues, Mambos, Cha Chas, Exotisches, unglaublich Seltsames!

Die Musikgeschichte birgt mehr Geheimnisse, als Sie glauben…
„Down At The Ugly Men’s Lounge“ ist gerne behilflich, einige von ihnen aufzudecken.

Zum Hören und Tanzen genügen unsere grandios zusammengestellten Zehn-Zoll-Langspielplatten.
Zum Nachlesen der Fakten über die Künstler von „Down At The Ugly Men’s Lounge“ gibt es diese Website.

Viel Vergnügen!

 

Prof. Bop

Volume 1

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Side A     Side B  
01 „Take Me Back“ – AL BROWN & His Tunetoppers   01 „Steamboat“ – FRANKIE CASTRO & Carl Stevens Orchestra
02 „We Like Birdland“ – THE SATELLITES   02 „Ooba Dabba Dabba Da“ – ROMAINE BROWN & The Romaines
03 „The Dickie-Doo“ – MIKE PEDICIN Quintet   03 „Ain’t Gonna Throw Any Rice“ – RUTH WALLIS & Jimmy Carroll Band
04 „Too Much Chianti“ – BRUNO, His Guitar & His Brunos   04 „Mambo Gunch“ – CHRIS POWELL & The Blue Flames
05 „Love Charms“ – DIANE MAXWELL   05 „Wine, Women And Gold“ – THE CARSONS & Perry Botkin Band
06 „Dansero“ – BILLY MURE’s Rocking Guitars   06 „Mexican Rock“ – CARL „ACE“ CARTER
07 „Track That Cat“ – THE BONNIE SISTERS
& Mickey „Guitar“ Baker
  07 „My Funny Valentine“ – MERI ELLEN & Her Cohorts

 

AUS DEM PROF. BOP-ARCHIV:


„Take Me Back“ – AL BROWN & His Tunetoppers

Der Saxophonist, Pianist und Sänger Al Brown (1929 – 2009) war über viele Jahre der Doyen der Rhythm & Blues-Szene von Baltimore. Schon sein Vater Alphonse war ein populärer Jazzmusiker und spielte u. a. eine Zeit lang im Orchester von Don Redman. Seine drei Söhne Al Jr. (Tenorsaxophon, Piano, Gesang), Charles (Altsaxophon) und Donald (Trompete, Gesang) ergriffen denselben Beruf und gründeten gemeinsam mit Grafton Martin (Gitarre), Andrew Walker (Bass), Orney Pate (Drums) und Cookie Brown (Gesang) die Tunetoppers, die sich unter der Leitung von Al zu einer begehrten Begleitband für Package-Tourneen durch die östlichen Südstaaten entwickelten. Bei Schallplattenaufnahmen wirkte regelmäßig die Baltimore-Jazzlegende Mickey Fields (Tenorsaxophon, Piano) mit.
Nachdem Al Browns Single „The Madison“ 1960 für einen weltweiten Dance Craze sorgte, erschienen ein Album und eine Handvoll weiterer Singles unter dem Namen Al Brown & His Tunetoppers, teilweise mit der Baltimore-Band, teilweise auch mit New Yorker Studiomusikern eingespielt. „Take Me Back“ kam ebenfalls 1960 heraus. Al Brown starb 2009 im Alter von 79 Jahren.

Mehr von Al Brown & His Tunetoppers gibt’s auf „Down At The Ugly Men’s Lounge Vol.2“


„We Like Birdland“ – THE SATELLITES

„We Like Birdland“ in der Version der Satellites erschien erstmals 1960 auf dem kleinen Palace-Label. Danach wurde die Single bis 1964 noch auf verschiedenen Marken in Europa und den USA wiederveröffentlicht. Nachdem der Saxophonist Joey Ambrose (geb. 1934, auch bekannt als Joey d’ Ambrosio) 1955 gemeinsam mit dem Bassisten Marshall Lytle und dem Schlagzeuger Dick Richards bei Bill Haley & The Comets ausgestiegen war, gründeten die drei The Jodimars, die für einige Jahre einer der populärsten Rock & Roll Acts in Las Vegas waren. Nach dem Ende der Jodimars ging Ambrose in seine Heimatstadt Philadelphia zurück und formierte die Satellites, die schon kurz nach der Gründung der Band ebenfalls  in den Lounges von Las Vegas auftraten.
Joe Ambrose verbrachte den größten Teil seines Musikerlebens auf den Bühnen und in den Orchestergräben der Spielermetropole, bis er in den 90er Jahren wieder regelmäßig weltweit mit seinen alten Kollegen von den Jodimars und anderen ehemaligen Comets als Bill Haley’s Original Comets auf Tournee ging.


„The Dickie-Doo“ – MIKE PEDICIN Quintet

Auch der 2016 im Alter von 99 Jahren verstorbene Mike Pedicin war ein großer Name in der frühen Rock & Roll Szene von Philadelphia. Er formierte seine erste Swing Combo bereits 1940. Eines der Gründungsmitglieder war die spätere Rock & Roll-Legende Dave Appell, ein anderes der Bassist Lou de Francis, der seine gesamte Musikerlaufbahn bei Mike Pedicin verbrachte. Die Combo von Mike Pedicin gehörte zu den ersten weißen Ensembles, die in den Clubs von Philadelphia und im nahe gelegenen Ferienparadies Wildwood, New Jersey mit Rock & Roll-Versuchen experimentierten – zeitgleich mit anderen Pionieren wie Jimmy Cavallo, Charlie Gracie und Bill Haley. „The Dickey-Doo“ war der 1958er Versuch, einen Dance Craze für die von Dick Clark moderierte TV-Show „American Bandstand“ zu etablieren. Der Titel des Songs bezog sich auf Dick Clarks Sohn Dickie. Die andere Seite der Single war eine Wiederveröffentlichung: Schon 1954 war Mike Pedicins „Shake A Hand“, die Coverversion des ’53er R&B Hits von Faye Adams, erstmals herausgekommen. Jetzt, im zweiten Anlauf, wurde die Nummer zum größten Hit für das Pedicin Quintet. Der „Dickie-Doo“ aber war schnell vergessen. Bis jetzt.

Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme bestand das Mike Pedicin Quintet aus dem Bandleader (Altsaxophon), Sam Cocchia (alias Sam Cooke, Gitarre), Buddy La Pata (Piano), Lou de Francis (Bass) und Al Mauro (Drums, Gesang).


„Too Much Chianti“ – BRUNO, His Guitar & His Brunos

Bruno, his Guitar & his Brunos … eines der großen Rätsel der Musikgeschichte… oder auch nicht, denn wenn man alle Indizien zusammenzieht und zwei und zwei addiert, kommt man der Lösung dies Rätsels schnell näher.
Bruno… Gitarre… de Filippi… der Sound…
Wieder landen wir in der Musikszene von Philadelphia, deren Hauptprotagonisten zum größten Teil Italo-Amerikaner waren.
Einer der populärsten Bandleader war für lange Zeit Frank Virtue (eigentlich Frank Virtuoso, 1923 – 1994), der mit seinen verschiedenen Bands über die Jahre einige lokale Erfolge  produzierte und 1958 mit dem „Guitar Boogie Shuffle“ zu internationalen Hit-Ehren kam. Sein Lead-Gitarrist war der hier abgebildete James Bruno.

Da Frank Virtue seine Aufnahmen in Eigenregie im eigenen Studio produzierte, etliche dieser Aufnahmen unter verschiedensten Namen an diverse Labels verkaufte und der Sound der Brunos exakt dem der Virtues entspricht, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dieser Aufnahme mehr oder weniger um eine Nummer der Virtues handelt, bei der die Rolle des Bandleaders Combo-intern an den Kollegen Bruno weitergereicht wurde. Sollte diese qualifizierte Theorie stimmen, waren wohl die Musiker Ralph Federico (Piano), Frank Virtue (Bass), Joe Vespe (Drums) und Joe Renner (Tenorsaxophon) an der Einspielung beteiligt.
Der Titel „Too Much Chianti“ von 1961 spielt natürlich auf den Vorjahres-Hit der Champs „Too Much Tequila“ an.
Die Aufnahmen von Bruno, his Guitar & his Brunos erschienen auch in Frankreich und Italien.


„Love Charms“ – DIANE MAXWELL

Ständig auf der Suche nach Teenager-Talenten wurde der Songwriter und Musikverleger Billy Sherman 1958 während eines Amateur-Wettbewerbs der George Washington High School in Los Angeles auf die gerade sechzehnjährige Diane Maxwell aufmerksam. Er vermittelte ihr einen Auftritt in der prestigeträchtigen TV-Show von Lawrence Welk, wo sie das Publikum mit ihrer Version von „As Time Goes By“ bezauberte.
Nach einigen Verpflichtungen in der Fernsehsendung „Breakfast Club“ bot ihr die noch junge Plattenmarke Challenge, deren Mitbegründer der singende Cowboystar Gene Autry war, einen Schallplattenvertrag an.
Im Oktober 58, Diane hatte gerade ihren siebzehnten Geburtstag gefeiert, wurde ihr Album „Almost Seventeen“ aufgenommen, dessen Repertoire größtenteils aus aufwendig produzierten Balladen bestand. Für den exotischen Gehalt des Programms sorgte „Love Charms“, eine Komposition des umtriebigen Pianisten, Sängers  und Rock & Roll-Originals Ray Stanley, der dieses Lied zwei Jahre zuvor selbst mit Eddie Cochran an der Gitarre eingespielt hatte. Bis 1961 nahm Diane (gelegentlich auch „Dianne“) Maxwell noch Schallplatten auf, dann lief ihre Gesangskarriere gemächlich aus.


„Dansero“ – BILLY MURE’s Rocking Guitars

Im selben Jahr, 1958, wurde ein Album veröffentlicht, das die Werbetrommel für verschiedene regional bedeutende Fernseh-Disc-Jockeys rühren sollte. „TV Record Hop“ erschien u.a. mit Bildern von Buddy Deane (WJZ), Herb Sheldon (WABQ) und Ted Randal (KPIX). Hier sehen sie die texanische Version mit Nick Reyes (KFDA). Die Musik auf dem Album war ein Querschnitt durch die wunderbare Welt der Teenager-Tanzmusik zwischen R&B, Cha Cha und Big Band Jazz. Insbesondere der „Rock-Cha“  wurde als die große neue Welle des Jahres ’58 präsentiert. Der Album-Beitrag „Dansero“ von Billy Mure und seiner Studiocombo The Rockin’ Guitars galt als Hymne dieser Welle.

Billy Mure (eigentlich Sebastian Mure, 1915 – 2013), ein virtuoser Gitarrist für jede Gelegenheit, gehörte zu den Hauptleistungsträgern in der New Yorker Studioszene der 40er bis 70er Jahre. Außerdem wirkte er als Arrangeur und Produzent. Bei „Dansero“ versuchte er erfolgreich, den Sound von Mickey „Guitar“ Baker zu imitieren.


„Track That Cat“ – THE BONNIE SISTERS & Mickey „Guitar“ Baker

À propos Mickey „Guitar“ Baker:
Auch der (1925 – 2012) war eine viel beschäftigte Größe in den New Yorker Studios, dort vielleicht der meistgebuchte Gitarrist in Sachen Rhythm & Blues. Gemeinsam mit seiner Duett-Partnerin Sylvia Vanderpool schloss er 1955 einen Künstlervertrag für das Duo Mickey & Sylvia bei Rainbow Records ab.

Eine der Hauptattraktionen des Labels hatte Mr. Baker selbst entdeckt: die Bonnie Sisters, deren muntere Rock-A-Mambo-Nummer „Cry Baby“ Anfang 1956 ein Knüller der Saison war. Kein Wunder:
Die drei Mädchen (Pat Ryan, Sylvia Trotter und Jean Borgia) pflegten einen charmant-unbekümmerten Gesangsstil, der sofort beim jungen Rock & Roll-Publikum verfing.
 
Da Mickey Baker sowieso in der Studio-Begleitband der Bonnie Sisters mitwirkte, war die Idee (vermutlich seine eigene!) naheliegend, ihn bei einer gemeinsamen Nummer besonders herauszustellen. Sylvia Vanderpool spielte die Rhythmus- und Mickey Baker die Lead-Gitarre. Kurz nach Erscheinen von „Track That Cat“ wechselten Mickey & Sylvia das Label und landeten mit „Love Is Strange“ einen der größten Hits der Saison ’56/’57.


„Steamboat“ – FRANKIE CASTRO & Carl Stevens Orchestra

Selbst das eigentlich unerschöpfliche Prof. Bop-Archiv hat nichts an Informationen über Frankie Castro zu bieten. Sicher ist nur eins: Er ist nicht identisch mit dem gleichnamigen Elvis-Imitator, den man heutzutage in den USA für jede Gelegenheit mieten kann.
„Steamboat“ war ein 1955 von dem Saxophonisten und Sänger Buddy Lucas (1914 – 1983) komponierter Song der Drifters und immerhin so populär, dass er für den weißen Markt gecovert wurde – eben von „unserem“ Frankie Castro, unterstützt von den Jack Halloran Singers und dem Carl Stevens Orchester.


„Ooba Dabba Dabba Da“ – ROMAINE BROWN & The Romaines

Ganz anders sieht die Informationslage in Sachen Romaine Brown aus. Eigentlich studierte er Bratsche am Curtis Institute of Music in Philadelphia. Bei Nacht aber war er der Begleitpianist für den populären Jazz-Sänger George „Bon Bon“ Tunnell. 1943 entschied er sich endgültig für die Jazzmusik und heuerte als Pianist bei den Four Toppers an, aus denen sich in Windeseile die Red Caps entwickelten, die fortan mehr als zwanzig Jahre lang unter verschiedenen Namensvariationen wie The Five Red Caps oder Steve Gibson & The Red Caps zu den erfolgreichsten und fleißigsten Rhythm & Blues-Gruppen Amerikas gehörten. Sie begeisterten schon früh ein weißes Publikum in Hollywood, Atlantic City, Wildwood oder Las Vegas und brachten bereits 1952 rockenden R&B in die Ed Sullivan TV-Show. Nach zehn Jahren bei den Red Caps begeisterte sich Romaine Brown für die Idee, eine eigene Band auf die Beine zu stellen.

Romaine Brown & His Romaines bestanden aus Roy Hayes (Gitarre), Bobby Bushnell (Bass), Henry Tucker Green (Drums), Earl Plummer (Gesang) und Romaine selbst am Klavier. Später stieß noch Earl Edwards (Tenorsaxophon) zur Band.
„Ooba Dabba Dabba Da“ erschien im Oktober 1956 und war die vorletzte Veröffentlichung der Band, ehe sie 1959 auseinander ging und Romaine Brown für ein Jahr zu den Red Caps zurückkehrte. Er starb im Juni 1986 im Alter von einundsiebzig Jahren.


„Ain’t Gonna Throw Any Rice“ – RUTH WALLIS & Jimmy Carroll Band

Wie keine andere amerikanische Vokalistin verkörperte Ruth Wallis (1920 – 2007) das sündige Lied. Zunächst noch eine für die Swing-Ära typische Big-Band-Sängerin, begann sie schon früh, sich ein eigenes Programm für Nachclub-Engagements zu erarbeiten, das sich mit dem Themenkomplex Sex beschäftigte.
Alle ihre Lieder (und sie sang nur Selbstkomponiertes!) setzten sich frivol bis schlichtweg pornographisch mit dem Thema Nummer 1 auseinander. Nicht selten wurde sie auf der Bühne verhaftet und aus der Stadt geworfen. Regelmäßig wurden ihre Schallplatten konfisziert, wurden Rundfunk-Einsätze ihrer Songs verboten. Kein Wunder, dass es schwer für sie war, eine Plattenfirma zu finden, deren Mut soweit reichte, das jährliche Song-Oevre der Wallis in angemessener Form zu veröffentlichen. So gründete sie 1952 mit zwei Geschäftspartnern die eigene Marke Wallis Original, auf der fortan ihre gesammelten Werke erschienen.
Mit ihrem 1959er Album „Love Is For The Birds“ beschritt sie neue Wege:
Hier beleuchtete sie die eher bittersüßen Seiten der Liebe, begleitet vom Bandleader Jimmy Carroll, der im Laufe seiner langen Karriere auch als musikalischer Begleiter solcher Stars wie Cab Calloway oder Marlene Dietrich gearbeitet hat. Die Rock & Roll-Nummer „Ain’t Gonna Throw Any Rice“ ist einer der besten Songs des Albums.


„Mambo Gunch“ – CHRIS POWELL & The Blue Flames

Ähnlich wie Steve Gibson & The Red Caps oder Romaine Brown & His Romaines waren Chris Powell & The Blue Flames eine Gruppe, die sowohl für geschmeidigen Vokalgruppensound als auch für deftige Combomusik stand. Bevor sich der Schlagzeuger Chris Powell anschickte, als R&B-Bandleader in Philadelphia sein Glück zu versuchen, erspielte er sich u. a. in der legendären Swing-Band des Bassisten John Kirby einen exzellenten Ruf.
Mitglieder der Blue Flames neben Chris Powell waren Vance Wilson (Tenorsaxophon, Bongos), Duke Wells (Piano), die beiden Gitarristen Eddie Lambert und Bill Jennings, James Johnson (Bass) sowie der Sänger Johnnie Leak alias „Johnnie Echo“. „Mambo Gunch“ ist nicht viel mehr als ein 1954 mal eben so hingehauener B-Seiten-Jam – und doch bleibt das Trommel- und Shout-Inferno auf Dauer nicht ohne Reiz.


„Wine, Women & Gold“ – THE CARSONS & Perry Botkin Band

Die ungewöhnliche Rock & Roll-Nummer „Wine, Women And Gold“ stammt aus der Feder einer der speziellsten Figuren der Musikszene der 40er und 50er Jahre: eden ahbez (eigentlich George A. Aberle, 1908 – 1995). Dieser Mann legte stets Wert darauf, dass sein Name nur in Kleinbuchstaben geschrieben wurde – die Großbuchstaben waren seiner festen Überzeugung nach den Göttern vorbehalten. In den 40er Jahren lebte er als Proto-Hippie in einem Zelt unter dem ersten „L“ des großen „Hollywood“-Schriftzuges oberhalb von Los Angeles und versuchte, seine Kompositionen an populäre Sänger zu verkaufen. Seinen Durchbruch als Songschreiber schaffte er mit „Nature Boy“, das in der Fassung von Nat King Cole ein Millionseller und einer der größten Hits des Jahres 1948 wurde.
In den folgenden Jahren schrieb eden ahbez noch weiter hymnische Lieder, darunter eine auf „Nature Boy“ basierende Suite für den Sänger Herb Jeffries, und nahm gegen Ende des nächsten Jahrzehnts sogar ein eigenes Album mit faszinierender Exotica-Musik auf. Die meisten seiner veröffentlichten Kompositionen waren aber leicht ins Schräge spielende Rock & Roll-Nummern wie „Wine Women And Gold“, die er mit Vorliebe seinem Freund Don Carson anbot. Der leitete die Vokalgruppe The Carsons, bei der Linda Peters, Peggy Spencer und Bryan Peters mitsangen. Begleitet wurden die Carsons von einer weiteren legendären Figur: Perry Botkin (1907 – 1973). Botkin war einer der ersten Jazz-Gitarristen, die schon Ende der 20er Jahre in den Jazzbands die Ablösung des Banjos durch die Gitarre betrieben. Seit den 30er Jahren war er als Studiomusiker, Komponist und Arrangeur für Rundfunk, Schallplatten, Tonfilm und später Fernsehen einer der Hauptleistungsträger in der Musikszene von Hollywood. Die Aufnahmesession mit den Carsons wird für Perry Botkin damals, 1955, nur ein Job von vielen gewesen sein, aber immerhin brachte er dazu seinen Sohn Perry Botkin Jr. mit, der hier die Ukulele spielte und später mit überaus großem Erfolg in die Fußstapfen seines Vaters trat.
Der Leiter der Carsons, Don Carson, machte mit seiner Gesangsgruppe weiter und veröffentlichte im Laufe der folgenden Jahre Schallplatten unter den verschiedensten Künstlerbezeichnungen wie z.B. Don Carson & The Casuals oder Don Carson & The Whirlaways, zu denen eden ahbez  immer mal eine Kompositionen beisteuerte.


„Mexican Rock“ – CARL „ACE“ CARTER

Eigentlich war Carl „Ace“ Carter (1931 – 1996) ein Jazzpianist von Rang, aber die Aussicht auf Ruhm und Reichtum in Form einer Rock & Roll-Produktion war zu süß und verlockend, um sich das Leben unnötigerweise mit musikalischem Purismus schwer zu machen.

So kam es 1958 zur Veröffentlichung des „Mexican Rock“, der mit seinem orientalischen Flair auch ohne Weiteres „Arabian Rock“, „Turkish Rock“ oder „Persian Rock“ hätte heißen können. Seinem eigentlichen musikalischen Idol Count Basie kam Carl „Ace“ Carter viel später ganz nahe, als er nach dessen Tod 1984 den Job des Pianisten der Count Basie Big Band erhielt.


„My Funny Valentine“ – MERI ELLEN & Her Cohorts

Im Grunde eine schöne Geschichte: Eine obskure kleine Band spielt in irgendeinem Nachtclub, wird entdeckt und man bietet ihr nicht nur einen Schallplattenvertrag an, sondern sorgt auch noch dafür, dass der größte Star des Labels bei den Aufnahmen als Gastmusiker mitwirkt. Genau so spielte sich das Geschehen um das erste und einzige Album von Meri Ellen & Her Cohorts ab. Dieses Quartett (neben der Sängerin Meri Ellen waren noch drei anonym gebliebene Sänger und Instrumentalisten an Akkordeon, Gitarre und Kontrabass mit von der Partie) überzeugte die maßgeblichen Männer bei Design Records… aber nicht so sehr, dass man ihnen die Einspielung des Albums ganz allein anvertrauen wollte. Also wurde die Gruppe im Studio noch um zwei zusätzliche Musiker verstärkt: Zum Aufpeppen des Rhythmus engagierte man den namhaften  Jazzdrummer Howie Mann (1927 – 2001). Dazu kam der größte Name des Design-Labels, der unvergleichliche Don Elliott (1926 – 1984)! Dieser Multi-Instrumentalist spielte Vibraphon, Trompete, Mellophon (eine jazzfähige Variante des Waldhorns) und Bongos. Zudem war er ein ungewöhnlich guter Sänger und sah aus wie ein Filmstar. Er veröffentlichte zahlreiche Alben unter eigenem Namen und wirkte bei unzähligen Aufnahmesitzungen als Studiomusiker mit. Kurz: eine echte Größe!

Das Album von Meri Ellen & Her Cohorts scheint (Zeitgründe? Kostengründe?) an einem einzigen Nachmittag eingespielt worden zu sein. Man hat das Gefühl, dass Don und Howie mal eben so mitspielten und schnell wieder weg mussten (oder wollten? Oder noch eine Verabredung mit Meri ohne die Cohorts hatten?).
„My Funny Valentine“ entstammt dem 1937er Erfolgsmusical „Babes in Arms“ von Richard Rodgers und Lorenz Hart und gehört zu dem absoluten Klassikern des American Songbook.
Viel Spaß mit dieser Version!

Volume 2

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Side A     Side B  
01 „Double Talk“ – THE PLAYBOYS   01 „Party Time“ – THE RAY-O-VACS
02 „One Arabian Night“ – THE FOUR TOPHATTERS   02 „Hey, Mrs. Jones“ – TINY TONY & The Statics
03 „A String Of Pearls“ – BILLY FORD & His Combo   03 „Mambo Rock“ – JOHN BUZON Trio
04 „Why Don’t You Do Right“ – PAT MORRISSEY   04 „Stay Away From Me“ – BOBBY BERNELL & The Dreamtones
05 „The House Blues“ – CRAZY JOSÉ   05 „Can You Feel It?“ – ED GATES & His Custom Hammond Organ
06 „Good Rockin‘ Tonight“ – ARTHUR PRYSOCK   06 „Route 66“ – AL BROWN & His Tunetoppers
07 „Darling“ – CHARLIE GREEN   07 „Aladin Cha Cha“ – AIMABLE, His Accordion & His Organ

 

 


„Double Talk“ – THE PLAYBOYS

The Playboys aus Philadelphia begannen um 1951 Philadelphia mit dem typischen „Northern Band Sound“ ihrer Heimatstadt. Der Gründer der Gruppe war der Saxophonist Ray Dee (eigentlich Ray D’Agostino). Nach einigen Umbesetzungen, regionalen Erfolgen und dem Herumexperimentieren mit verschiedenen Rhythmen und Stilen bei mehreren Plattenfirmen gelang ihnen 1958 mit der Ballade „Over The Weekend“ endlich der große Wurf. Dabei wurde die mitreißende B-Seite der Single vom großen Publikum geflissentlich übersehen. „Double Talk“ war eine Komposition von zwei Ex-Mitgliedern bahnbrechender Rhythm & Blues-Gesangsgruppen: Leonard Puzey (1926 – 2007) war ein Mitbegründer der Ravens und Gregory Carroll (1929 – 2013) sang ein paar Jahre bei den Orioles. Seit ihrem gemeinsamen Jahr bei den Dappers (1956) arbeiteten sie als Songschreiber zusammen. „Double Talk“ erwies sich als ideale Rock & Roll-Nummer, die 1958 auch von Conway Twitty (als „Double Talk Baby“) gesungen wurde.

Zur Zeit der Aufnahme von „Double Talk“ bestanden die Playboys aus Ray Dee (Tenorsaxophon), Ronnie James (Gitarre), Irv Mellman (Piano), Lou Mauro (Drums), Joe Franzosa (Bassgitarre) und dem kurz  zuvor zur Gruppe gestoßenen Sänger Sammy Vale. Außerdem war bei der Aufnahme im Studio ein unbekannt gebliebener Baritonsaxophonist zugegen. Später kam als neuer Pianist Russ Conti, ein ehemaliges Mitglied von Freddie Bell & The Bell Boys, in die Band.
Die Playboys veröffentlichten ihre letzte Platte im Jahre 1962 und traten noch bis 1964 auf.


„One Arabian Night“ – THE FOUR TOPHATTERS

The Four Tophatters, Pat Vassello (Trompete), Carmen Falconieri (Gitarre), Chet Sondinsky (Akkordeon) und Blazie Pollack (Bass) gaben 1954 ihr Debut auf der Rock & Roll-Bühne.
Ihre Einstandsplatte „Dim Dim The Lights“ erregte gleich soviel Aufsehen, dass die Nummer sogar von Bill Haley gecovert wurde, der damit immerhin einen Nummer-11-Hit hatte.

Archie Bleyer, Inhaber der Plattenmarke Cadence und Produzent der Four Tophatters in Personalunion, verordnete den vier Zylinderhut-Trägern (nichts anderes bedeutet „Tophatters“ – dabei trugen sie diese vornehmen Kopfbedeckungen auf keinem einzigen ihrer Fotos!) von Anfang an einen Studio-Schlagzeuger, der für den aktuellen Rock & Roll-Rhythmus sorgte. Bei „One Arabian Night“  ging er 1956 noch weiter: Keine Trompete mehr, auch kein Akkordeon, stattdessen zwei Saxophone.  Arabien halt…


„A String Of Pearls“ – BILLY FORD & His Combo

Den meisten Käufern des 1958er Riesenhits „La Dee Dah“ von Billy & Lillie (und es gab viele, sehr viele Käufer…) dürfte nicht bewußt gewesen sein, dass sie in Wirklichkeit einer Platte der Billy Ford Combo  lauschten.
Der Trompeter Billy Ford (1919 – 1983) gründete sein eigenes Ensemble 1945 nach Lehrjahren in namhaften Orchestern. Je nach Plattenmarke hießen die Bands, denen er vorstand Musical V-8’s oder Thunderbirds. Nur bei Josie firmierte er schlicht als Leader seiner „Combo“. 1955, zur Zeit der Aufnahme von „A String Of Pearls“, einem Standard aus dem Glenn-Miller-Repertoire, bestand die Band neben Billy Ford wahrscheinlich aus Freddie Pinkard (Drums), Frisco Bombay (Gitarre), Howard Anderson (Piano), Jimmy Holmes (Tenorsaxophon) und Frederick „Money“ Johnson (Bass).
Lillie Bryant (die Lillie von Billy & Lillie) stieß erst zwei Jahre später zur Gruppe und der Rest ist Geschichte.


„Why Don’t You Do Right“ – PAT MORRISSEY

Uh… Oh… Pat Morrissey…..
Manchen gilt sie als eine der Top 5 Jazz-Sängerinnen aller Zeiten. Andere halten sie schlichtweg für die schönste Vokalistin der 50er Jahre. Die meisten aber haben noch nie von ihr gehört.
Pat Morrissey wurde 1929 geboren und erlebte ihren Eintritt ins Showbusiness als Kinder-Actrice in Radio-Hörspielen. Als Gesangsprofi hatte sie ihr Debüt 1952 in einem Nachtclub in Florida. Schnell sprach sich ihr Talent herum und sie gastierte in Clubs wie dem New Yorker La Vie En Rose oder dem Crescendo in Hollywood.
Ende 1953 wurde das nebenstehende Foto veröffentlicht. Es war Teil der Presseankündigung, dass dieser platinblonde Newcomer die Hauptrolle in einem Film über Mae West spielen sollte.

Der Film kam nie zustande. Aber Schallplattenaufnahmen – die gab es! Eine Handvoll Singles und zwei Langspielplatten legen noch heute beredt Zeugnis von ihrer besonderen Sangeskunst ab.
„Why Don’t You Do Right“ ist im Original ein 1941er Blues-Klassiker von Lil Green. 1943 kam Benny Goodmans Fassung mit der Sängerin Peggy Lee auf den Markt, aber 1957 war die Nummer Teil des ersten Albums von Pat Morrissey – eine Sensation!
Leider eine Sensation ohne Breitenwirkung…
Schon in den 50er Jahren war Pat Morrissey gelegentlich in Londoner Nightclubs zu hören.
Anfang der 60er Jahre zog sie ganz nach England, heiratete einen adligen Millionär und ritt fortan in Tweed gekleidet über die lieblichen Hügel des vereinigten Königreichs.

Ein Foto noch:
Eine Pressemitteilung vom 9. Januar 1956: Pat Morrissey stellt der Welt in einem Chicagoer Schönheitssalon eine bahnbrechende Erfindung vor: eine Frisierhaube mit eingebauten Lautsprechern!
Science Fiction pur!

 


„The House Blues“ – CRAZY JOSÉ

Wer war Crazy José? Der Hüllentext des 1959 erschienenen einzigen Crazy José-Albums ist zwar über alle Maßen geschwätzig, verrät aber rein gar nichts. Drei Namen immerhin tauchen auf: die der Produzenten Herb Wasserman und Ray Passman, die auch in unterschiedlichen Konstellationen an fünf Nummern des Albums mitkomponiert haben. Ein weiterer Name ist Dwier, der zwei der Stücke geschrieben hat, darunter auch den „Tea House Blues“.
Bei aller Geheimniskrämerei: Das Konzept der durchgeknallten Rock-Chas mit verstimmtem Piano ging voll auf!


„Good Rockin‘ Tonight“ – ARTHUR PRYSOCK

Arthur Prysock (1924 – 1997) gehörte zur Riege machtvoller Baritone, wie sie Mitte der 40er Jahre überall auftauchten. Nahezu jeder Rhythm & Blues-Bandleader suchte damals seinen eigenen Billy Eckstine-Nachahmer und Arthur Prysock erhielt den Zuschlag von Buddy Johnson, dem „King Of The One-Nighters“. Nach acht Jahren mit dem Johnson-Orchester machte sich Prysock 1952 selbständig und blieb bis zu seinem Tod einer der populärsten schwarzen Entertainer mit Hits bis in die 70er Jahre, einer (wenn auch kurzlebigen) eigenen Fernsehshow und verschiedenen Grammy-Nominierungen.

Für den ausgewiesenen Balladenspezialisten Arthur Prysock war die Idee, ausgerechnet Roy Browns 1947er R&B Klassiker „Good Rockin’ Tonight“ aufzunehmen und sich dabei in eine Reihe mit Wynonie Harris und Elvis Presley zu stellen, definitiv ein B-Seiten-Projekt. Und so fand sich diese Nummer auf der Rückseite seiner 1960er Single „My Everything“.


„Darling“ – CHARLIE GREEN

Zu Beginn der 60er Jahre wurde der französische Schallplattenmarkt mit einer steten Folge von Charly Green-Veröffentlichungen beglückt. Einen einheitlichen Stil oder eine gleichbleibende Besetzung gab es nicht – manche Musikhistoriker vermuten sogar, dass  Charly Green lediglich ein Pseudonym ist, unter dem die Aufnahmen verschiedener Studiogruppen zusammengefasst wurden. Mag sein…
„Darling“ von 1962 ist und bleibt eine exzellente, mitreißende  Shuffle-Nummer.


„Party Time“ – THE RAY-O-VACS

Als im Jahre 1954 „Party Time“ von den Ray-O-Vacs eingespielt wurde, hatte die Band eine große stilistsische und personelle Häutung hinter sich. Fünf Jahre zuvor waren sie auf der Szene aufgetaucht: Eleganter und jazziger Combo-Sound, lässige Interpretationen altbekannter Popsongs (ihre Version von  „Besame Mucho“ war einer der R&B-Top-Hits des Jahres 1950), getragen von der  leicht schläfrigen Stimme von Lester Harris (eigentlich Harry Lester)  – unwiderstehlich, wie Dutzende von Einspielungen immer wieder bewiesen.
Die Band bestand aus dem erwähnten Lester Harris (Gesang und Cocktaildrums, eine Art Mini-Stehschlagzeug, damals weit verbreitete als Nebentätigkeit für Sänger), Leoparte „Chink“ Kinney (Tenorsaxophon), Joe Crump (Piano) und dem Bandleader Jackson „Flap“ McQueen (Bass). 1951 verließ  Lester Harris die Gruppe und versuchte eine Solo-Karriere; er verstarb schon im Februar 1953 mit dreiunddreißig Jahren.
Sein Nachfolger war der stimmlich ähnlich gelagerte Herb Milliner. Es kamen mehr Platten, auch mit der Sängerin Babe Hutton (auf manchen Pressungen auch als „Babs Hallaman“ ausgewiesen). Und dann schlug die Stunde des William Walker. Er brachte als neuer fünfter Mann nicht nur eine kantig klingende Gitarre in die Band, sondern verstand sich auch auf einen rauhen und ungestümen, irgendwie ländlich und gospelig anmutenden Shout-Gesang.
Ein erstes Beispiel des „neuen“ Ray-O-Vacs-Sounds kam Anfang 1954 auf dem mikroskopisch kleinen Emjay-Label heraus, „Having A Ball Tonite“ – fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Dann aber nahm sich im selben Jahr der Arrangeur, Komponist und Produzent Howard Biggs der Sache an.
Er verordnete der Band ein gutes Studio, dem Song ein bisschen mehr Arrangement, gab ihm den neuen Titel „Party Time“ und vermittelte der Band einen Vertrag mit dem Kaiser-Label. Zwei Jahre später brachte Atlantic die Aufnahme auf seinem Atco-Label heraus.
Viel Aufwand für einen Song, der letztlich erfolglos blieb.
Die Ray-O-Vacs verabschiedeten sich Ende der 50er Jahre von der Musikszene.


„Hey, Mrs. Jones“ – TINY TONY & The Statics

1964 veröffentlichte die in Seattle, Washington beheimatete Marke „Bolo“ stolz ein Album mit seinen bis dato veröffentlichten lokalen Hits. Da durfte die 1962er Erfolgsnummer „Hey Mrs. Jones“ von Tiny Tony & The Statics nicht fehlen.
Dieses schwarz-weiße Sextett aus Burien, Washington bestehend aus Anthony „Tiny Tony“ Smith (Gesang), Merrilee Gunst (Wurlitzer-Piano, Gesang), Karl Peters (Drums), Bruce Robertson (Bass), Neil Rush (Tenorsaxophon) und Jim Spanos (Gitarre) gehörte zu den Top Combos auf den College Parties zwischen Seattle und Tacoma.
„Hey Mrs. Jones“ war zwar nur ein regionaler Hit, aber der Songs selbst kam herum:
Es gab Coverversionen u.a. von Jimmy Witherspoon, Ramsey Lewis und der Buddy Morrow Big Band.
Merrilee Gunst heiratete Neil Rush, hieß fortan Merrilee Rush und wurde gegen Ende des Jahrzehnts mit dem Titel „Angel Of The Morning“ ein großer Popstar. Ob sie noch manchmal an jenen fernen Tag im kleinen Bolo-Studio zurückdachte, als sie hinter ihrem elektrischen Klavier sitzend die Rolle der Mrs. Jones spielte?


„Mambo Rock“ – JOHN BUZON Trio

In den 50er Jahren war die Trio-Besetzung Hammondorgel/Tenorsaxophon/Schlagzeug in den USA omnipräsent. Ob Jazzlokal, R&B-Schuppen, Tanzbar oder Seniorennachmittag: Alles ließ sich in dieser Besetzung bespaßen, zumal der Hammondspieler auch noch die Funktion des Bassisten mit seinen Basspedalen übernahm und man so einen Mann einsparen konnte. Also auch ökonomisch interessant!
Das John Buzon Trio konnte alles – so vielseitig war das Repertoire der drei Musiker Jack Russell (Schlagzeug), Loren Holding (Saxophon, Klarinette und Flöte) und John Buzon (Hammondorgel). Auf „Inferno!“, dem 1959 erschienenen ersten ihrer drei Alben, demonstrierten sie die Vielseitigkeit ihres Repertoires und ihre Geschmeidigkeit, wenn es darum geht, auf Wunsch zwei Stile zusammenzubringen.
Rock & Roll? Mambo? Kein Problem – „Mambo Rock“!
Es handelt sich bei diesem „Mambo Rock“ übrigens um eine gänzlich andere Nummer als beim Song gleichen Namens, die Mike Pedicin und Bill Haley ein paar Jahre zuvor aufgenommen hatten.


„Stay Away From Me“ – BOBBY BERNELL & The Dreamtones

Bei Fortune Records in Detroit war alles ein bisschen anders. Vor allem die Qualität des Studios. Und die hemdsärmelige Professionalität der Musiker. Die Firma wurde 1946 von Devora Brown gegründet und veröffentlichte bis in die 70er Jahre hinein neues Material.
Allerdings: Fast alles, was da Anfang und Mitte der 60er Jahre auf Fortune oder dem Schwesterlabel Hi-Q erschien, klang wie topaktuelle Musik aus einer Epoche mindestens zehn Jahre zuvor. Gerade die zwei Platten, die das hörbare Werk von von Bobby Bernell bilden, sind dafür beste Beispiele. 1964 kam seine Rockabilly-Single „Move Over Big Dog“ heraus. Sie klang, als sei sie ein Jahrzehnt zuvor in Memphis entstanden. Sein Rhythm & Blues-Versuch „Stay Away From Me“, zwei Jahre zuvor gemeinsam mit der Vokalgruppe The Dreamtones eingespielt, verkörpert aufs Feinste den typischen Do-It-Yourself-Charme von Fortune Records.


„Can You Feel It?“ – ED GATES & His Custom Hammond Organ

Der Sänger Ed Gates White (1919 – 1992) veröffentlichte die meisten seiner Schallplatten zwischen 1948 und 1962 unter prachtvollen Namen wie The Great Gates oder The Man From The Moon Gates. Da mutet das schlichte Ed Gates auf seinem 1962er Epos „Can You Feel It Pt. 1“ schon fast spartanisch an. Immerhin wird auf dem Label Dr. Kenneth Minor-Howell als Saxophonist aufgeführt. Das klingt angemessen flamboyant!
Obwohl als Sänger zeitweilig recht erfolgreich, verlegte er seine Aktivitäten ab 1956 auf das Betreiben eines eigenen Nachtclubs. Dort erst begann er, sich die Kunst des Klavierspielens selbst beizubringen. Bald kam die Orgel hinzu und ab 1959 waren seine Veröffentlichungen durchweg Orgel-Instrumentals.
Neben allerlei anderen Geschäftsaktivitäten blieb Ed Gates noch bis zu seinem Tod als Organist in Cocktail Lounges tätig.


„Route 66“ – AL BROWN & His Tunetoppers

Al Brown war der erste Künstler, den wir Ihnen bei „Down At The Ugly Men’s Lounge“ vorgestellt haben.
Hier feiert er sein Comeback bei uns mit „Route 66“, jener unsterblichen Komposition von Bobby Troup. Al Browns Fassung entstand vermutlich schon 1960, wurde aber erst ein Jahr später veröffentlicht.

 


„Aladin Cha Cha“ – AIMABLE, His Accordion & His Organ

Aimable Pluchard (1922 – 1997), kurz: Aimable, war über Jahrzehnte einer der populärsten Akkordeonisten Frankreichs.
Neben dem für französische Akkordeonisten üblichen Musette-Repertoire spickte er sein Programm regelmäßig mit exotischen Elementen. Dazu setzte er sich mitunter auch an die Hammondorgel.
Bei seinem „Aladin Cha Cha“, einer Gemeinschaftskomposition  mit dem Filmmusik-Komponisten Gérard Calvi („Balduin der Trockenschwimmer“) aus dem Jahre 1960, bilden Akkordeon, Orgel, Orient und exotische Rhythmen eine perfekte Melange.

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